Feststellung der körperlichen Eignung von Atemschutzgeräteträgern

Nach § 6 (3) der DGUV Vorschrift 49 "Feuerwehren" gilt:
Für die Tätigkeiten, die besondere Anforderungen an die körperliche Eignung von Feuerwehrangehörigen stellen, muss sich die Unternehmerin oder der Unternehmer deren Eignung durch Eignungsuntersuchungen vor Aufnahme der Tätigkeit und in regelmäßigen Abständen ärztlich bescheinigen lassen.

Tätigkeiten unter Atemschutz sind besonders belastende und gefährliche Tätigkeiten. Eine eingeschränkte oder nicht vorhandene Tauglichkeit hierfür birgt erhebliche Gefahren für das Leben und die Gesundheit von Feuerwehrangehörigen und/oder Dritten. Die Unternehmerin oder der Unternehmer darf Feuerwehrangehörige für Tätigkeiten, die besondere Anforderungen an die körperliche Eignung stellen, nur einsetzen, wenn eine von einer Ärztin oder einem Arzt ausgestellte Bescheinigung über die jeweilige Eignung dafür vorliegt.

Gerätegruppen und Untersuchungsinhalte

Atemschutzgeräte werden nach den Gerätegewichten oder den Atemwiderständen (Druckdifferenzen von Einatmung und Ausatmung) in Gerätegruppen 1, 2 oder 3 eingeteilt. Die körperliche Belastung durch die Geräte steigt von Gruppe 1 nach Gruppe 3 an. Entsprechend sind die Inhalte der Untersuchung den Gruppen des berufsgenossenschaftlichen Grundsatz G 26 „Atemschutzgeräte“ zu entnehmen:

Hinweis: Der oft verwendete Kombinationsfilter A2B2E2K2-P3 (DIN 14387) entspricht der Gerätegruppe 2. Sofern Feuerwehrangehörige aufgrund Ihrer im Einsatz erforderlichen Funktion diesen Filter tragen (z.B. Dekontaminationseinheiten wie Dekon-P des Bundes), ist eine Eignungsuntersuchung nach G 26.2 erforderlich.

Fristen für Eignungsuntersuchungen

Tragen von Atemschutzgeräten Nachuntersuchungsfrist in Monaten
- Gerätegewicht über 5 kg 12
Personen bis 50 Jahre 36
Personen über 50 Jahre:
- Gerätegewicht bis 5 kg 24

Die Nachuntersuchung ist jeweils vor Ablauf der in der Tabelle genannten 12, 24 oder 36 Monate berechnet ab dem Zeitpunkt der letzten Untersuchung durchzuführen.

Wer darf untersuchen?

Eignungsuntersuchungen der Atemschutzgeräteträger/innen sind von hierfür geeigneten Ärztinnen oder Ärzten durchführen zu lassen. Anforderungen an eine geeignete Ärztin bzw. einen geeigneten Arzt:

  • muss mit den Aufgaben der Feuerwehr vertraut sein und die besonderen Anforderungen der jeweiligen Tätigkeiten kennen, die eine Eignungsuntersuchung erforderlich machen.
  • muss den Stand der Medizin kennen und diesen bei Eignungsfeststellungen anwenden.
  • muss die für die Untersuchung notwendige apparative Ausstattung vorhalten oder auf diese Zugriff haben.
  • Für Teiluntersuchungen wie z. B. Hörtest, Laboruntersuchungen können weitere geeignete Einrichtungen beauftragt werden.
  • muss fachlich in der Lage sein, aus den Untersuchungsergebnissen die Eignung festzustellen.

Eine ausreichende Qualifikation ist z. B. anzunehmen bei Ärzten oder Ärztinnen, die berechtigt sind, die Gebietsbezeichnung „Arbeitsmedizin" oder die Zusatzbezeichnung „Betriebsmedizin" zu führen.

Die Unternehmerin oder der Unternehmer hat sich von der Ärztin bzw. vom Arzt schriftlich bestätigen zu lassen, dass die vorgenannten Anforderungen erfüllt werden. Hierfür kann das im Anhang 1 der DGUV Vorschrift 49 "Feuerwehren" befindliche Musterschreiben verwendet werden.

Die Unternehmerin oder der Unternehmer hat sich von der beauftragten Ärztin oder vom beauftragten Arzt schriftlich mitteilen zu lassen, ob der oder die untersuchte Feuerwehrangehörige für die vorgesehene Tätigkeit eingesetzt werden kann. Dies erfolgt in der Regel durch Aushändigung des Ergebnisses der Eignungsuntersuchung an den Untersuchten bzw. die Untersuchte und Weitergabe durch diesen bzw. diese an den Unternehmer bzw. die Unternehmerin.
Die Unternehmerin bzw. der Unternehmer trägt die Verantwortung für die Auswahl einer geeigneten Ärztin bzw. eines geeigneten Arztes.

Die Pflicht der beauftragten Ärztin bzw. des beauftragten Arztes zu prüfen, ob er fachlich - vom Ausbildungs-/Weiterbildungsstand - und von der technischen Ausstattung her in der Lage ist, den Eignungsuntersuchungsauftrag anzunehmen und durchführen, bleibt hiervon unberührt. 

Darf vom DGUV Grundsatz G 26 abgewichen werden?

Nach der DGUV Vorschrift 49 "Feuerwehren" ist bei Eignungsuntersuchungen der anerkannte Stand der medizinischen Erkenntnisse ist zu beachten.
Obwohl im Allgemeinen die DGUV Grundsätze für Arbeitsmedizinische Untersuchungen* lediglich Empfehlungscharakter haben, wird der DGUV Grundsatz G 26 „Atemschutzgeräte“ bei der Eignungsuntersuchung der Atemschutzgeräteträger/innen auf Grundlage der DGUV Vorschrift 49 „Feuerwehren“  vertraglicher Bestandteil. Insbesondere dann, wenn die untersuchende Ärztin bzw. der untersuchende Arzt im Rahmen seiner schriftlichen Auskunft versichert, dass die Eignungsuntersuchung nach dem DGUV Grundsatz für arbeitsmedizinische Untersuchungen G 26 "Atemschutzgeräte" durchgeführt wird.

*) DGUV Grundsätze für Arbeitsmedizinische Untersuchungen; 6. vollständig neubearbeitete Auflage (Dezember 2014); Verlag: Gentner, A W; ISBN-10: 3872477560; ISBN-13: 978-3872477569

Ist eine Röntgenaufnahme des Thorax zwingend erforderlich?

Nach den DGUV Grundsätze für arbeitsmedizinische Untersuchungen „G 26 Atemschutzgeräte“ (Fassung Oktober 2014 ) ist eine Röntgenaufnahme des Thorax im p. a.-Strahlengang für die Gerätegruppe 2 bzw. 3 bei gegebener medizinischer Indikation vorgesehen. Über die medizinische Indikation entscheidet die untersuchende Ärztin bzw. der untersuchende Arzt.

Dokumentation der Eignungsuntersuchung und Vorsorge

Die untersuchende Ärztin bzw. der untersuchende Arzt muss das Ergebnis der Eignungsuntersuchung dem Auftraggebenden schriftlich mitteilen.
Ein Muster für die Bescheinigung der Eignung finden Sie hier.

Arbeitsmedizinische Vorsorge

Nach § 7 der DGUV Vorschrift 49 "Feuerwehren" kann bei ehrenamtlich tätigen Feuerwehrangehörigen arbeitsmedizinische Vorsorge wegen des Tragens von Atemschutzgeräten gemeinsam mit Eignungsuntersuchungen durch vom Unternehmer oder von der Unternehmerin damit beauftragte geeignete Ärzte bzw. Ärztinnen durchgeführt werden. (Abweichend von § 2 Absatz 1 DGUV Vorschrift 1 „Grundsätze der Prävention" in Verbindung mit der „Verordnung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge")

Nutzt der Unternehmer oder die Unternehmerin die ihm oder ihr nach Absatz 1 eingeräumte Möglichkeit, muss die Ärztin oder der Arzt fachlich auch in der Lage sein, die arbeitsmedizinische Vorsorge durchzuführen. Der Arzt oder die Ärztin muss insbesondere die „Verordnung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge" kennen. Die Unternehmerin oder der Unternehmer von der Ärztin bzw. vom Arzt schriftlich bestätigen zu lassen, dass die vorgenannte Anforderung erfüllt wird. Eine schriftliche Bestätigung ist nicht erforderlich bei Ärztinnen oder Ärzten, die berechtigt sind, die Gebietsbezeichnung „Arbeitsmedizin" oder die Zusatzbezeichnung „Betriebsmedizin" zu führen.

Im Übrigen bleiben die Regelungen der „Verordnung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge" unberührt.