Arbeitsplatzbeobachtungen

Bei dieser Methode beobachten speziell geschulte Expertinnen oder Experten die Beschäftigten über einen bestimmten Zeitraum während ihrer Tätigkeit (z. B. eine halbe Schicht lang, ca. 4 Stunden). Der Beobachtende schaut bei der Arbeit zu und notiert seine Beobachtungen in einem Analysebogen (z. B. SPA-S). Die ausgeführten Tätigkeiten werden anhand von Tätigkeitsmerkmalen wie z. B. Komplexität der Aufgabe oder Entscheidungsspielraum eingestuft. Ermittelt werden hierbei ausschließlich die Merkmale der Tätigkeit, der Mitarbeiter selbst steht nicht im Fokus der Beobachtung. Bei dem Ergebnis handelt sich also um eine Fremdeinschätzung der Belastungssituation. Die Beobachtung eignet sich vor allem für Unternehmen, in denen sich viele Arbeitsplätze ähneln. Denn so können einige Arbeitsplätze exemplarisch für alle Arbeitsplätze dieser Tätigkeit untersucht werden.  Voraussetzung für eine fachgerechte Durchführung ist, dass der Beobachtende über die notwendigen fachlichen und methodischen Kenntnisse verfügt.


Vorteile

Der Vorteil dieser Methode ist, dass damit auch Belastungen ermittelt werden können, die dem Mitarbeiter möglicherweise nicht mehr auffallen, weil er sich schon daran gewöhnt hat. Zudem ist der Aufwand für die Mitarbeiterin oder den Mitarbeiter sehr gering. Wenn die Beobachterin oder der Beobachter Fragen haben, können sie diese sofort stellen. Häufig ergeben sich durch die Beobachtung der Arbeitssituation beinahe automatisch schon Gestaltungsvorschläge zum Abbau der festgestellten Fehlbelastungen.


Nachteile

Der Nachteil der Methode ist, dass das Bild, das bei der Beobachtung entsteht, stark vom subjektiven Erleben der Beschäftigten  abweichen kann. Deshalb ist es sinnvoll, eine Beobachtung (= Fremdeinschätzung) mit einer Befragung (= Selbsteinschätzung) zu kombinieren. Konkret läuft das so ab, dass die Beschäftigten im Anschluss noch befragt werden. Durch diese Nachfragen können Unklarheiten direkt geklärt werden. Denn da der Beobachtungszeitraum zufällig gewählt ist, kann der Beobachtende nicht wissen, ob das, was sie oder er sieht, eher die Ausnahme oder die Regel ist. Der Beobachtende müsste sonst über einen sehr langen Zeitraum die Tätigkeit beobachten. Auch entsteht durch die Beobachtung eine künstliche Situation, in der die Beschäftigten ihr Verhalten möglicherweise verändern und sich nicht wie im gewohnten Tagesablauf verhalten. Ein weiterer Nachteil ist, dass das Beobachtungsverfahren im Vergleich zu anderen Methoden der Datenerhebung sehr zeitaufwendig und kostenintensiv ist. Denn um verlässliche Aussagen treffen zu können, sollten mindestens 10 % aller Arbeitsplätze beobachtet werden.

In der Tabelle sind zwei Beobachtungsverfahren zu finden, mit welchen der Ist-Zustand im Betrieb ermittelt werden kann. Die Instrumente können branchenübergreifend eingesetzt werden (s. unten):


Überblick Beobachtungsinstrumente
 

 

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